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Nachhaltig leben

Fair Fashion – Wie man sich nachhaltiger kleiden kann

«Fast Fashion isn’t free, somewhere someone is paying for it»

Diese Worte, in grossen Lettern an die Wand des Kosmos-Klubs gebeamt, haben sich wohl für immer in meine Netzhaut gebrannt, damals im frühen Herbst, an meiner ersten Podiumsdiskussion zu Fair Fashion und meiner ersten engeren Berührung mit dem Thema überhaupt. Klar, es war immer da, auf meiner Facebook-Wall, in den Nachrichten, als Diskussion innerhalb des Freundeskreises. Doch wie so viele hatte ich die Situation immer brav aus meinem Gewissen verbannt – insbesondere in den Momenten in der Umkleide im H&M.

Doch offenbar war ich nicht die einzige, die das ändern wollte – mit mir sassen ungefähr hundertfünfzig andere Menschen im Raum: auf dem Boden, auf den Sofalehnen und Tischchen, denn die Stühle waren alle besetzt. Es diskutierten Doris Abt von Fashion Revolution Switzerland, Susan Spirig von Lola Fred, Andy Tanner von Alprausch, Rosa Enn von Abito Allora, Claudia Desax von Opia und Sebastian Lanz von rrrevolve & zämä

Es stellte sich schnell heraus, dass das Thema hochkomplex ist. Fazit: Man kann kaum hundertprozentig faire Mode kaufen. Die Lieferkette ist oft zu intransparent und es ist kaum möglich, durch die ganze Produktions- und Lieferkette alles nachhaltig & fair zu herzustellen und zu transportieren. Es gibt viele Zielkonflikte (Bio-Baumwolle von Bauern, die unter fairen Arbeitsbedingungen arbeiten, verbraucht z.B enorm viel Wasser).

Dennoch: Es bestehen zumindest viele Möglichkeiten, sich bewusster und nachhaltiger zu kleiden, die alle in der Summe zu einer besseren Welt beitragen können.  

Hier also 7 Tipps, wie sich jeder ein kleines Stückchen vom Fair-Fashion-Kuchen abschneiden kann:

Weniger, dafür hochwertige Kleidung kaufen und länger Freude daran haben
Braucht man wirklich jedes Jahr drei neue Wintermäntel vom H&M oder Zara? Braucht man überhaupt jedes Jahr einen neuen Wintermantel? Macht mich das weitere Paar Schuhe wirklich glücklich? Ja, wenn man hochwertig einkauft, scheint das auf den ersten Blick teurer. Dafür halten die Sachen auch länger. Meist überlegt man sich dann auch eher, ob das Stück einem so gut gefällt, so dass man lange Freude daran  hat (Siehe Punkt: «Sich an Lieblingsteilen erfreuen»)

Mehr Vintage- und Second Hand-Kleidung kaufen
Riechst du bei dem Stichwort gleich die Muffeligkeit dieser Kleidungsstücke? Keine Bange – es gibt heute auch viele Second-Hand-Läden, die den Kleidern Sorge tragen, sie waschen und aussortieren. Das tolle an Second-Hand-Klamotten: Es hat sich schon jemand daran erfreut und man führt diese Tradition weiter. Ausserdem bricht man mit dem Einheitslook der grossen Modehäusern und man ist endlich das glitzernde Einhorn, das man innerlich eigentlich schon immer war. Und mal ehrlich: Wenn man was ganz Einmaliges in einem muffeligen Brockenhaus findet, kann man das Kleidungsstück einfach in die Waschmaschine knallen.

Auf Labels achten, sich proaktiv erkundigen
Klar, viele Gütesiegel sind einfach zu “erkaufen”. Dennoch lohnt es sich, sich damit auseinanderzusetzen. Aber es gibt doch gewisse, auf die man sich verlassen kann. Gütesiegel-Guides dazu finden sich zahlreiche. Und warum sich nicht auch mal mit der Verkaufsperson des Vertrauens unterhalten und nachfragen, wie es mit der Produktionskette des Objekts der Begierde aussieht?

Kleidung reparieren (lassen) und seine Lieblingsstücke länger geniessen
Ich heule insbesondere meinen Lieblingsschuhen nach (ich finde mit meinen Bigfeet auch echt selten bequemes Schuhwerk). Die bringe ich auch brav immer wieder zum Schuhmacher. Du kannst oder willst keine Knöpfe annähen? Keine Zeit zum Nähen? Verständlich. Darum gibt es ganz viele Reinigungen und Reparaturservices für Kleidung, die man frequentieren kann. Das Gefühl, dass etwas wieder wie neu ist, finde ich fast unbezahlbar

Sich an Lieblingsstücken erfreuen
Das geht ein wenig in gleiche Richtung wie Punkt 1 und 4. Wenn man statt Binge-Shopping zu betreiben einfach nur die Lieblingsteile mit nach Hause nimmt, trägt man den Sachen automatisch mehr Sorge: man pflegt sie angemessen und verhätschelt sie mehr.

Statt wegwerfen: Kleider tauschen, verschenken,
Ok. Angenommen, du brauchst deine Shopping-Erlebnisse regelmässig und sie erfüllen dich mit viel zu viel Glück. Dann gibt es immer die Möglichkeit, allfällige verschmähten Stücke an einen Second-Hand zu geben, Kleider-Tauschbörsen zu besuchen oder die Teile zu verschenken. Kleider gehen schnell kaputt? Dann lieber künftig mehr Geld für mehr Qualität ausgeben. (Siehe Punkt 1)

Ausleihen statt kaufen
Du musst an eine fancy Hochzeit und brauchst ein Kleid, welches du nie wieder tragen wirst? Dir wird deine Garderobe schnell langweilig? Kein Problem, denn Läden wie Khleid oder klassische Kostümverleihe und Kleider-Miet-Services schaffen hier Abhilfe. Einfach gucken, dass der Rotwein im Glas bleibt.

Selber nähen!
Ja, ich weiss. Ich habe das Nähen auch verlernt. Aber wenn man nebst Social-Media-Scrolling ein Hobby braucht, gibt es zum Beispiel die Social Fabric, die Nähkurse anbietet (und auch fair produzierte Produkte verkauft). Ich werde es jedenfalls ausprobieren (und berichten!). 

Diese Tipps wirken jetzt auf den ersten Blick vielleicht nicht so innovativ. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, sich neue Gewohnheiten überhaupt anzueignen. Gewisse Dinge nicht mehr zu kaufen. Sachen zu flicken. Vielleicht sogar zu verzichten. Doch wenn man nur einen dieser Ratschläge regelmässig befolgt, hat man schon viel für den Planeten und die Menschen, die tagtäglich für uns die Kleider produzieren, getan.

Wo man nun überall faire Mode kaufen kann? Nebst den oben geposteten Link möchte ich einen kleinen Guide aufbauen. Doch das braucht ein bisschen Zeit. Tipps sind natürlich mehr als nur willkommen!

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