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Unternehmensportraits

Sie krempelt dein Leben um – Birte, die Frau hinter umdenker.ch | Teil 1/2

Nachhaltigkeit ist für sie ein Lebensgefühl. Nach einer Phase der Orientierung hat Birte mit Leidenschaft und Köpfchen das Unternehmen umdenker.ch gegründet, wo man heute liebevoll ausgewählte, nachhaltige Produkte für den Haushalt, seinen Style und für unterwegs findet. Trotz ihrer abenteuerlichen Geschichte steht die herzliche Unternehmerin mit beiden Beinen fest auf dem Boden und bezeichnet sich selber als «durchschnittlich mit Ausreissern». In diesem Zweiteiler erzählt sie uns ihre Geschichte, Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps zur Gründung.

Erzähle mir mehr zu deiner Durchschnittlichkeit mit Ausreissern.
Ich würde mich schon als durchschnittlich bezeichnen. Das etwas andere an mir ist vielleicht, dass ich ein strukturierter Chaot bin. Ich liebe Strukturen und das kreative Chaos gleichermassen. Das erwartet man nicht, wenn man mich kennenlernt. Ich verbringe auch sehr gerne Zeit damit, mich in andere Welten hineinzudenken: Ich bin ein richtiger Fantasy-Fan und kann mich stundenlang in Büchern verlieren.

Wie kam es zu all dem, was du jetzt tust?
Ich bin geborene Deutsche, aufgewachsen im Ruhrgebiet in der Nähe von Dortmund, in einer ganz durchschnittlichen Familie. Ich hab schon relativ früh gewusst, was ich machen wollte und das war: Jura studieren. Dann war mir aber auch sehr schnell klar, dass ich nach dem Abitur eine Auszeit machen wollte und so bereiste ich während eines Jahres das erste Mal alleine Australien und Neuseeland. Ich hätte locker für immer da bleiben können und hatte mich da fast ein bisschen ”verloren”.

Ich entschied mich dann trotzdem, nach Hause zu kommen und begann mein Jura-Studium. Daran scheiterte ich jedoch grandios (lacht), weil das Ganze einfach nicht meiner Denkweise entsprach. Ich brach also nach drei Semestern ab und nahm mir ein halbes Jahr Erholungs- und Findungszeit, weil ich da zum ersten Mal in meinem Leben eine existenzielle Krise hatte. Ich erlebte, was andere sonst vor dem Abitur hatten: “Okay, wo soll es jetzt hin, was kann ich, was macht mir Spass?”. Spass machten mir Sprachen und Tourismus. So startete ich in Freiburg im Breisgau ein Tourismus-Studium und nutzte jede Chance, ins Ausland zu gehen. Ich machte ein Praktikum in Bolivien und Peru und setzte da schon meinen Fokus in Richtung Nachhaltigkeit. Mich faszinierte es, in einem Business wie Tourismus, wo einiges falsch läuft, auch genau diese Seiten zu beleuchten. Ich hab mich schon immer mich für das interessiert, was viele Leute gekonnt ignorieren: Zum Beispiel fand ich damals und auch heute noch Themen wie Sextourismus spannend –  das Thema Ausbeutung: warum passiert diese und was steckt dahinter?

So bin ich dann auch in Leeds (UK) gelandet, wo ich schliesslich meinen Master in Responsible Tourism Management machte und meine Master-Thesis zum Thema «Ethische Entwicklung und Ethik im Tourismus» schrieb. Dazu war ich in vier Wochen in Kambodscha, traf mich da mit vielen Frauen und Kindern in Projekten und beschäftigte mich einmal mehr mit Nachhaltigkeit und den negativen Auswirkungen des menschlichen Verhaltens.

Dann suchte ich meinen ersten Job und erhielt gleich zwei Angebote –  eines in Kuba und eines in Scuol (Engadin). Ich entschied mich für die thematisch spannendere Aufgabe und ging ins Engadin zur TESSVM, der Vermarktungsgesellschaft des Unterengadins, und wurde Produktmanagerin Nachhaltigkeit. Vor drei Jahren zog ich dann der Liebe wegen nach Zürich. Ich überlegte mir, was ich machen wollte. Nachhaltigkeit war da mein Fokus, ich fand aber auch nach unzähligen Bewerbungen nichts in diesem Bereich. So landete ich dann in einem Start-up für Online-Marketing. Da kam dann irgendwann der Punkt, wo ich dachte “Okay, ich baue ein Business auf. Ich kann Online-Marketing, ich kann Nachhaltigkeit. Ich helfe gerade anderen ihr Business aufzubauen. Wieso mache ich das nicht gleich für mich selber?”.

Und so ist es zu umdenker gekommen: mit einem ganz leeren Blatt Papier und mit allem, was mich interessiert und ich gut kann. Dann wurde reduziert auf das, was ich will. Anschliessend wurde der Markt analysiert und geboren war die Idee, was heute umdenker ist.

Was heisst für dich persönlich Nachhaltigkeit?
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Mit dem Bewusstsein, dass das, was wir machen, nicht nur uns selber beeinflusst, sondern immer auch andere Menschen. Dies entspricht einer der klassischen Definitionen «Hinterlasse diesen Planeten so, dass auch noch deine Enkel darauf leben können». Man muss sich bewusst werden, dass man nicht alleine auf diesem Planeten ist. Es gibt Leute, die produzieren Waren, Leute, die leiden. Und es gibt solche, denen geht es aus verschiedenen Gründen besser. Man muss als Individuum also entscheiden, was man tun kann, um die Welt wenigstens nicht schlechter zu machen, als sie vor der eigenen Zeit war.

Gab es einen Moment, bei dem es bei dir Klick gemacht hat, dass du dich für Nachhaltigkeit engagieren willst? Was war der Auslöser?
Den nachhaltigen Lifestyle fand ich immer faszinierend. Früher war ich ein extremes «Konsum-Mädchen», habe unüberlegt konsumiert und fand’s immer super, neue Dinge zu haben. Ich hab auch jetzt noch Altlasten: nicht immer ist für mich die nachhaltige Alternative die passende. Ich hab aber gelernt, mich weiterzuentwickeln. Heute achte ich einfach viel mehr darauf, was ich konsumiere. Ich schränke mich in meinem Konsum gar nicht bewusst ein, sondern hinterfrage vermehrt, was und wo ich konsumiere. Nachhaltige Produkte befinden sich normalerweise in einer anderen Preisklasse und die Produktpaletten sind nicht so breit. So hat sich ganz automatisch ergeben, dass ich weniger und bewusster einkaufe. Es war eine natürliche Entwicklung, ganz ohne dramatischen Klick.

Was erfüllt dich besonders an deinem Arbeitsalltag?
Das ändert sich tatsächlich immer wieder. Zur Zeit erfreue ich mich vor allem am positiven Feedback, das mich von allen Seiten erreicht. Es erreichen mich immer wieder Nachrichten über Social Media: “Hey, dein Konzept ist super, aber hast du zum Beispiel auch noch an XY gedacht, das fehlt mir noch…“. Ich erhalte konstruktive Beiträge, um diese Geschichte noch besser zu machen. Denn Zahlen alleine sagen dir nicht, ob du auch wirklich alles richtig machst. Diese Feedbacks und Inputs beflügeln mich zurzeit jeden Tag aufs Neue.

Ansonsten sind es meine kleinen Erfolge: ich stecke mir meine Woche jeweils relativ strikt ab und weiss, was ich jeden Tag erledigen möchte. Ich verliere mich sonst häufig in „unnötigen“ Dingen, die zwar Spass machen, aber meine Firma nicht weiter bringen. Diesen kann ich erst nachgehen, wenn ich meine Ziele erreicht habe. So kann ich mir dann jeden Tag vor Augen halten, was ich geschafft habe und blicke dankbar darauf zurück, was ich alles lernen durfte. Bisher gab es tatsächlich nicht einen Moment, in dem ich dachte, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen hätte. Das macht mich extrem glücklich, weil ich Angst davor hatte, in die falsche Richtung zu gehen. Das, was ich erreicht habe, ist jetzt meins und soll auch meins bleiben.

Hattest du auf deinem Weg Selbstzweifel, und wie gingst du damit um?
Ich hatte und habe auch heute noch des öfteren Tage, an denen ich mich frage, wer mich eigentlich befähigt hat, das alles zu machen. Und wer zur Hölle auf die Idee kam, dass das alles gut und klug war. Mir hilft es immer wieder darauf zu schauen, was ich geschafft habe. Es ist schon nicht ohne, so eine Firma aufzubauen, die auf einen klaren Gedankengang und Logik beruht. Man steckt viel Herzblut rein. Es hilft, mich immer wieder auf meine Leidenschaft, auf mein «Warum» zu konzentrieren.

Man sollte auch nicht allzu viel in Selbstmitleid baden. Ein Beispiel: Alle Bilder auf der Webseite sind von mir. Ich wollte einheitliche Fotos, also machte ich sie selber und scheiterte grandios an meinen Vorstellungen, weil ich nunmal keine gelernte Fotografin bin. Ich hockte drei Stunden lang weinend auf dem Boden. Aber dann stand ich wieder auf und überlegte mir eine Lösung. Es ist wichtig, wieder in den Aktiv-Modus zu kommen.

Ich bin jemand, der an seinem eigenen Perfektionismus scheitert. Ich gebe nicht hundert, sondern hundertzwanzig Prozent. Man muss aber einsehen, dass das nicht immer geht. Man hat eine Lernkurve, man muss den Prozess akzeptieren und auch nutzen. Mein Fazit aus meiner Selbständigkeit: Jeden Tag lerne ich dazu und entwickle mich weiter. Das motiviert mich und macht mich dankbar.

Wer oder was hat dir auf diesem Weg geholfen?
Ein grosses Kränzchen winde ich meiner Familie. Meinen Eltern, die mich immer unterstützen. Sie hinterfragen mich jedoch auch, was sehr wichtig ist. Mein Mann ist der grösste Fan meiner Idee und wohl auch mein grösster Unterstützer. Er hilft mir stundenlang bei der Buchhaltung oder beim Einräumen des Lagers, schleppt meine Kisten und hilft, wo er kann. Genau so machen es meine Schwester und ihr Mann. Auch viele Freunde unterstützen mich.

Ich band auf meinem Weg bewusst Leute in die Idee und den Prozess ein. Zum Beispiel beim Corporate Design, dem Logo und der Namensfindung. So konnte ich laufend testen, ob etwas nur in meinem Kopf Sinn macht, oder es andere auch verstehen. Dazu kommen all die Dienstleister, die man sich hinzuzieht. Ich arbeitete mit einer ganz tolle Agentur, die mit mir mein Logo und mein Design entwickelte. Ich hatte einen extrem hilfreichen und lustigen Entwickler, der für mich manche Zusatzstunde investiert und tapfer durchgehalten hat. Zudem hinterfragen auch all die Leute meine Ideen. Das ist manchmal einfacher zu akzeptieren als Feedbacks von der Familie, weil Agenturen ihre professionelle Erfahrung einbringen. Ich will jedoch generell ein riesiges Lob an alle aussprechen, die mich auf meinem Weg begleiten. Das werde ich niemals vergessen. Es gibt einfach so viele Kleinigkeiten, die man bedenken muss, und es ist schön zu wissen, dass Menschen da sind, die dir den Rücken stärken und dir in den Hintern treten, wenn es nötig ist.

Im zweiten Teil des Interviews geht es weiter mit wertvollen Einsichten zum Business-Aufbau und ihr erfahrt, was Birte der Welt mit auf dem Weg geben möchte. 

Neugierig geworden? Du möchtest selber nachhaltiger einkaufen, brauchst Tipps oder willst ganz einfach die Person hinter umdenker kennenlernen? Dann besuche ihre Webseite, folge Ihr auf Facebook und Instagram und kontaktiere sie.

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