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Unternehmensportraits

Sie krempelt dein Leben um – Birte, die Frau hinter umdenker.ch | Teil 2/2

Im ersten Teil gab uns Birte einen Einblick in die Entstehungsgeschichte von umdenker. Nun geht es weiter mit wertvollen Erfahrungen und Tipps zur Gründung eines Unternehmens. Sie verrät uns ausserdem, was Frauen dabei vielleicht speziell beachten sollten und was ihr zum Thema Nachhaltigkeit besonders am Herzen liegt.

Hast du Erfolgs-Tipps für JungunternehmerInnen, die sich ebenfalls beruflich für Nachhaltigkeit engagieren wollen? Fallen, die sie vermeiden können? 
Gerade wenn man alleine gründet, muss man an so viel denken. Und oft hat man nur die eigenen Stärken im Blick. Ich bin beispielsweise sehr in meiner Kreativität gefangen und dachte nicht so sehr an buchhalterische Problemstellungen. Mein Mann hatte als Banker hingegen nur die Buchhaltung im Kopf und schickte mir Checklisten, die ich bloss noch abhaken musste. Solche Dinge erleichtern einem vieles. Darum würde ich jedem Gründer empfehlen, ein Netzwerk aufzubauen mit Leuten, die ganz unterschiedlich denken und vielleicht vollkommen konträr zu einem selber sind.

Ich finde es wichtig, dass man bei der Gründung Lösungen findet, die einen nicht gleich unter Druck setzen. Das können Investoren sein, eigene Rücklagen, Hilfeleistende oder andere Dinge. Man sollte immer bedenken, dass es Unvorhersehbares gibt und so grosszügig rechnen und planen.

Eine weitere Falle ist sicher, alles im stillen Kämmerchen zu behalten und zu spät Hilfe zu holen. Ich habe über das Startzentrum gegründet. Da bezahlt man zwar einen gewissen Preis, aber der ganze Prozess geht in so vielen Punkten so viel einfacher, weil man Zugriff auf Expertise hat.

Ich ging auch auf jede kostenlose Infoveranstaltung, lernte da, Business Cases zu schreiben oder Kommunikation zu machen. Man darf ausserdem keine Angst haben, dass jemand seine Idee klaut, „nur“ weil man sie teilt. Die eigene Idee lebt vor allem vom eigenen Herzblut und der Passion, die da drinsteckt. Niemand wird diese Idee so gut umsetzen wie man selber, denn unter dem Strich fehlt die Persönlichkeit des Erfinders/der Erfinderin. Schliesslich sollte man sich niemals von Rückschlägen aufhalten lassen, man muss lernen, über Enttäuschungen hinwegzukommen und daran zu wachsen. Ablehnung ist selten persönlich gemeint, es kann halt einfach mal etwas nicht ins Konzept passen.

Hast du spezifische Tipps für Frauen, die ein Business aufbauen wollen?
Ich glaube daran, dass wir Frauen das alles genau so schaffen können wie die Männer. Es ist sicherlich so, dass dir gewisse Leute anders begegnen. Zum Beispiel wenn man sagt, dass man das alles alleine durchzieht. Bei rechtlichen Themen wurde ich beispielsweise schon gefragt, ob ich das tatsächlich alleine schaffe. Kann sein, dass ich das falsch auf meinen Status als Frau bezogen hatte. Trotzdem fragte ich mich, ob man einem Mann diese Frage auch stellen würde.

Ich denke schon, dass ich als Frau eine andere Denkweise habe. Ich bin ein anderer Unternehmertyp als die Mehrheit der Männer. Ich möchte für mich was schaffen, womit ich glücklich bin. Ob das irgendwann ein 60%-Pensum ist, weil ich eine Familie gründe, oder ob das vielleicht eine Firma mit 30 Angestellten wird. Da bin ich vollkommen offen. Ich habe beispielsweise nicht das fixe Ziel, dass ich in fünf Jahren zu den Bestverdienern in der Branche zählen muss. Ich glaube auch, dass diese Fixierung auf das Finanzielle den Frauen tendenziell weniger gegeben ist. 

Das sollten wir jedoch ändern. Zahlen sind wichtig und man will ja Geld verdienen. Auch da muss man als Frau sagen: “Okay, das kann ich genau so”. Wir müssen das als selbstverständlich sehen, dürfen uns vor allem selber nicht in eine Ecke stellen und uns kleiner machen als wir sind. Aber ich anerkenne natürlich auch gerne die spezifischen Stärken vieler Männer. Letztlich ist alles auch eine Symbiose zwischen den Geschlechtern, man braucht einander.

Weiter bringe ich den Netzwerkgedanken wieder ins Spiel: Es gibt so viele tolle Frauen, die coole Projekte anreissen. Ich probiere selber nach wie vor, mich gut zu vernetzen. Davon kann jeder profitieren – egal, ob Mann oder Frau.

Schmeisst du deine Kommunikation selber? Oder hast du Leute, die dich dabei unterstützen?
Ja, ich bin tatsächlich eine One-Woman-Show. Ich mache alleine Social Media, schreibe Blogbeiträge, texte alles für die Webseite, beantworte meine E-Mails. Es ist möglich. Aber man muss auch aus der Komfortzone raus: Ich konsumiere zum Beispiel liebend gerne Social Media, aber poste nie aktiv. Für mich ist es also eine grosse Herausforderung, mich da auch noch mehr zu exponieren. Auf Firmenebene ist es schliesslich was anderes, da kann man auch zwei Mal am Tag posten, statt nur ein Mal die Woche. Ich muss mich auch noch an die ganzen Live-Geschichten herantasten. Letztlich ist es mein Unternehmen, da stehe ich mit meinem Wesen und Gesicht dahinter, und das sollte ich auch zeigen.

Jetzt ist es Zeit für dein ganz persönliches Statement. Was willst du der Welt mit auf den Weg geben?
Jeder nachhaltige Weg ist ein individueller. Ich kann auch gut damit umgehen, wenn dieser Lebensstil jemandem nicht entspricht und dazu steht. Ich kann jedoch sehr schlecht damit leben, wenn jemand sagt, dass er alleine so oder so nichts bewirken kann und es “halt einfach nicht geht”. Das geht. Und jeder kleine Schritt hilft, jeder kann irgend etwas zur Nachhaltigkeit beitragen. Man muss sich hier weder mit Atomphysik befassen, noch ein riesiges Projekt stemmen. 

Was mir auch wichtig ist: Lasst jede Person, die sich bemüht, was in ihrem Leben zu ändern, auch ihren eigenen Weg finden. Es ist wichtig, die Leute nicht mit übertriebener Kritik zu demotivieren. Lieber unterstützt man sie mit seinem Wissen. Das würde ich mir viel mehr wünschen. Und ich möchte noch viel mehr positive Beispiele sehen von Leuten, die eine Idee haben, etwas ändern möchten, dies durchziehen und voll dahinter stehen.

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