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Unternehmensportraits

Sie hat die Fäden in der Hand – Manu von Lemonskin strickt gegen Plastik

Ob Platten auflegen, unterwegs Plastik aufsammeln, oder Stricken: Manu macht alles mit Leidenschaft, Fokus und viel Herzblut. Mit ihrem Projekt Lemonskin erweckt sie den vergessenen Rohstoff Hanf wieder zum Leben und sagt so dem Standard-Küchenschwamm den Kampf an.
 

DJing oder Stricken? Was versetzt dich mehr in einen «Zen»-Zustand? Wow, schwierig! Also, vermutlich ist es eher das Stricken. Ich sage es mal so: Stricken beruhigt mich und das Auflegen ist eher stimulierend, etwas, das mich antreibt.

Was heisst für dich persönlich Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit heisst für mich in erster Linie ein bewusster Umgang mit unseren Ressourcen. Dass jeder so viel macht, wie er/sie irgendwie zur Verbesserung der Situation beitragen kann. Dass man es schafft, nur das zu konsumieren, was man braucht. Das bedeutet, nicht zu hamstern oder über seine Verhältnisse zu leben. Und das Ganze hat für mich auch ein bisschen mit Fairness zu tun. Fairness gegenüber den Menschen, die nicht so viel haben. Kurz: Der respektvolle Umgang mit den Lebewesen und unserem Planeten.

Was sind in deinen Augen Dinge, die jeder im Alltag ganz einfach umsetzen kann, um etwas nachhaltiger zu leben? Was sind Herausforderungen?
Also ein Anfang wäre sich zu fragen: Was konsumiere ich? Woher kommt es? Brauche ich es wirklich? Und dann für sich selber zu entscheiden, was man ändern kann – reduzieren, darauf verzichten. Bei mir war es das Interesse an Plastik. Ich fragte mich: Was passiert mit all dem Plastikmüll? Und wie kann ich diesen in meinem Haushalt reduzieren? Und dann fing ich an, meine Einkäufe wenn möglich unverpackt zu tätigen. Das gelingt mir auch nicht immer. Aber ich habe es geschafft, meinen Abfall deutlich zu reduzieren. Ich hab erkannt: Das meiste, was im Abfall landet, ist Verpackungsmaterial. Und auf dieses kann man weitgehend verzichten .

Ausserdem schmerzt mich auch das Geld, das ich für Zürisäcke ausgebe.
Wenn man ein bisschen bewusster lebt und versucht, regional und unverpackt einzukaufen, kostet das nicht mehr als bei einem Grossverteiler. Aber natürlich gibt es da die Challenge, dass man an mehrere Orte gehen muss, um alles Benötigte zu finden. Das ist eine grosse Umstellung.

Man braucht Zeit, um bewusst einkaufen zu können. Und die Menschen haben heutzutage kaum noch Zeit. Das ist ein grosses Problem.

Du stellst in Handarbeit Lappen aus Hanfschnur her. Wie kamst du auf diese coole Idee?
Ich fing wie erwähnt an, Plastik aus meiner Küche zu verbannen. Im Bad habe ich es auch versucht, bin dort aber noch nicht ganz so weit. Die Küche war einfacher! Das Plastikschneidebrett wurde irgendwann durch eines aus Bambus ersetzt, die Plastikbürste wich einer Holzbürste, und so weiter.

Dazu kam dann das Thema mit dem Schwamm. Da ich diese Lappen aus Hanfschnüren schon im Netz gesehen hatte, fragte ich in einer Facebook-Gruppe danach. Ich dachte: «Easy, den kann ich sicher in einem Unverpackt-Laden kaufen.»  Es gab ihn dann aber nirgends! So entschied ich, mir den Lappen selber zu stricken. Dabei musste mir meine Mama helfen, da ich nicht mehr wusste, wie das geht. Die erste Hanfschnur kaufte ich in der Migros und war ziemlich genervt, weil diese in Plastik verpackt war.

Aufgrund der Situation kam mir die Idee. dass ich den Lappen auch für andere stricken könnte. Ich habe dann nach einer Schnur gesucht, die besser in das Konzept von Lemonskin passt und bin fündig geworden. Die Schnur, welche ich benutze, wird in der Schweiz produziert, und ich kaufe diese unverpackt.

Eigentlich passierte das alles ziemlich ungeplant: Ich merkte, dass es das Produkt noch nicht im Verkauf gibt. Dann begann ich zu stricken und fing an, den Lappen in meinem Freundeskreis zu verschenken. Dann – ohne viel zu überlegen – eröffnete ich die Facebook-Seite, um zu sehen, wie die Leute auf das Produkt reagieren.

Dein Projekt ist ja noch relativ frisch: Hast du eine Vision, wie es weitergehen soll?
Ich möchte irgendwann noch andere Produkte produzieren. Ich habe generell ein extrem grosses Interesse an Hanf als Rohstoff. Man könnte so viel daraus machen. Und ich hoffe, dass da in Zukunft noch mehr kommt. Ich fände es auch cool, eine Seife auf Hanf-Zitronen-Basis herzustellen. Aber da habe ich einfach noch zu wenig Ahnung. Doch wer weiss, vielleicht ergibt sich da irgendwann eine gute Zusammenarbeit mit jemandem?

Hast du Leute in deinem Umfeld, die dich bei deinem Projekt supporten?
Mein Freundeskreis unterstützt mich natürlich. Das Schöne bei dem Produkt und dem Projekt ist, dass es einfach so ein bisschen von selber läuft und das Bewerben nicht viel Einsatz von mir braucht, ausser dem Auftritt auf Social Media. Und natürlich stricke ich fleissig. Die Leute reagieren positiv darauf. Das finde ich total schön!

Es hat mich ebenfalls überrascht, dass von Anfang an auch Leute von der Idee begeistert waren, die nicht in meinem engsten Umfeld unterwegs sind. Ich knüpfe viele neue Kontakte und ich freue mich einfach darüber, dass das alles so unbeschwert und ohne viel Druck läuft.

Was würdest du anderen Leuten raten, die selber so etwas auf die Beine stellen möchten? Gibt es in deinen Augen Stolperfallen?
Nein, ich habe noch nichts Negatives erlebt. Ich produziere grundsätzlich auf Bestellung. Ich habe zwar schon immer etwas vorproduziert, es gibt aber gewisse Grenzen. Grössere Bestellungen bedeuten viel Arbeit: das Stricken ist das eine. Aber dann kommen noch Häkeln, Abnähen und das Aufbereiten für den Versand dazu. Das hat seinen Preis. Aber es steckt auch tatsächlich viel Arbeit drin, die nicht in fünf Minuten erledigt ist.

Hast du spezifische Tipps für Frauen, die ihr eigenes Business aufbauen wollen?
Ich kenne es sowohl vom Auflegen als auch von Lemonskin: Ich mache einfach das, was ich für richtig halte. Entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht. Und ich denke auch: Wenn jemand eine gute Idee hat, soll er/sie es einfach probieren.

Jetzt ist es Zeit für dein persönliches Statement. Was willst du der Welt noch mitteilen?
Ich würde mir wünschen, dass die Leute ein grösseres Bewusstsein für den Umgang untereinander und mit unserer Umwelt entwickeln. Und dass sie ein bisschen mehr nachdenken und ihre Handlungen hinterfragen: Werfe ich meine Zigarette jetzt auf den Boden oder trage ich sie zum nächsten Mülleimer? Es sind solche Handlungen, bei denen ich denke, dass wir es uns heute nicht mehr leisten können, so mit unserer Erde umzugehen.

Neugierig geworden? Du möchtest einen Lemonskin-Lappen ausprobieren, wissen, wie man diesen selber strickt, oder ganz einfach mit Manu in Kontakt treten? Dann folge ihr auf Facebook und Instagram

2 Comments

  • Yun

    Liebe Simone,

    das ist ein sehr schöner Artikel und toller Beitrag zur Nachhaltigkeit! Mit solchen Inhalten werden wir inspiriert und auch in unserem Bewusstsein findet meiner Meinung nach, nach und nach eine Veränderung statt, die die Umwelt zugute kommen wird. 🙂

    Mache weiter so und danke für den tollen Beitrag!

    Liebe Grüße,

    Yun

    • Simone.Eppler

      Liebe Yun

      Ohhh, mein erster Kommentar. Dankeschöön!
      Wenn ich nur schon eine handvoll Menschen damit inspirieren und solche Projekte unterstützen kann, bin ich happy!

      Danke dir für die Blumen!
      Simi

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