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The Green Event Planner: für Events ohne Umwelt-Kater

Feste soll man feiern, aber nicht auf Kosten der Umwelt. Das ist die Devise von Katrin, die neben ihrem 100%-Job mit viel Ausdauer und Herzblut ihre Eventagentur «The Green Event Planner» lanciert hat. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung im Event-Business und ihrer Leidenschaft für die Umwelt sorgt sie dafür, dass auch die Schweiz nachhaltiges Feiern für sich entdeckt.

Liebe Katrin, bist du eine Partynudel?
Nicht mehr so wie früher. Heute bevorzuge ich eher Qualität vor Quantität. Ich liebe es jedoch nach wie vor, aus Alltäglichem ein Fest zu machen: von der ausgefallenen Dinnerparty vor der neuen Folge Game of Thrones bis zum gediegenen Cocktailabend mit anschliessendem Gruppenhäkeln.

Erzähle mir doch, wie es zu «The Green Event Planner» kam
Es gibt tatsächlich eine Geschichte dahinter: Und zwar hat das Ganze ganz still und leise im Januar 2017 angefangen. Genau gesagt in dem Moment, als die USA mit Pauken und Trompeten aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen ist. Beim Nachlesen hat sich schnell ein O-ton herauskristallisiert: “Es ist tragisch, es ist nicht gut, aber es hilft nicht, einfach zu reklamieren, ihr müsst selber was tun!”. Ich krempelte als erstes meinen Haushalt um, fing an zu recyclen und mich erst einmal richtig in die Materie einzulesen. So fand ich heraus, wie und wo man recycled, und was man beim Prozess beachten muss.

Innerhalb weniger Monate wurde mir klar, was für einen immensen Unterschied es macht, wenn man nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Glas und Karton richtig entsorgt, sondern zusätzlich noch Bio-Abfälle kompostiert oder Plastikflaschen zurück zum Händler bringt. Ich merkte, dass man so seinen Abfall um mehr als die Hälfte reduzieren kann, und das mit unkomplizierten Mitteln.

Dann kam die schicksalhafte Firmen-Barbecue-Feier für insgesamt fünfunddreissig Personen im Irchelpark.
Meine Kollegin und ich mussten alles alleine aufstellen. Die Herausforderung: Die Infrastruktur in diesem Park ist gleich null. Es gibt keinen Strom, kein fliessendes Wasser – gar nichts. Es ist Sommer und fünfunddreissig Personen haben Durst und Hunger.

Wir schleppten dann zu zweit alles notwendige in den Irchelpark und haben uns der Einfachheit halber für Plastikgeschirr, Plastikbesteck und Plastiktischtücher entschieden – für alles, was man so einfach wie möglich transportieren konnte.

«Wenn ich wirklich was verändern wollte, dann musste ich in meinem Job fundamentale Dinge überdenken. »

Später ging es ans Aufräumen: Wir hatten gleich neben uns einer dieser städtischen Stahlcontainer auf Rollen. Der war bei unserem Eintreffen vielleicht knapp zur Hälfte gefüllt. Beim Aufräumen füllte sich dieser im Minutentakt. Am Ende ging nicht mal mehr der Deckel zu – wir haben also innerhalb von ein paar Stunden einen halbvollen 800-Liter-Abfallcontainer gefüllt. Klar, Bierdosen und Gläser wanderten da natürlich auch rein.

Ich stand trotzdem nur noch schockiert da und realisierte: All die Arbeit, die ich zuhause während der vergangenen vier Monaten ins Recycling gesteckt hatte, war nur ein ganz kleiner Tropfen auf einen ganz heissen Stein. Wenn ich wirklich was verändern wollte, dann musste ich in meinem Job fundamentale Dinge überdenken.

Nach ein bisschen Recherche und einigen Gesprächen mit meinen Kollegen kam irgendwann die Idee auf: «Warum nicht ein Green Event Planner? Warum nicht ein umweltbewusstes Nischenprodukt im überschwemmten Eventmarkt Schweiz lancieren?» The Green Event Planner ist also definitiv nicht über Nacht entstanden.

Was erfüllt dich besonders an deinem Arbeitsalltag?
Dass sich mir unglaublich spannendes, nachhaltiges Eventnetzwerk in der Schweiz eröffnet, welches ich so nicht erwartet hätte. Ich dachte, ich stehe zumindest am Anfang ganz alleine auf weiter Flur und müsse die mir die passenden Anbieter alle mühsam zusammensuchen. Aber es gibt schon so viele Catering-Unternehmen, die lokale, biologische Dinge anbieten, oder DJs, die nur noch mit dem Zug reisen und Restaurants, bei denen es zum Konzept gehört, dass sie ihre Räumlichkeiten nur noch für nachhaltige Events vermieten.

Vor allem zu Beginn fühlte es sich an, als hätte sich die Box der Pandora für mich geöffnet. Viele dieser nachhaltigen Eventpartner stehen selber erst in den Startlöchern und sind topmotiviert, loszulegen. Von einigen wurde ich auch ganz lieb kontaktiert und sagten, dass sie so froh seien, dass endlich jemand versucht, all die Einzelteile zusammenzufügen. Die Schweiz wäre bereit – und das hat mich positiv überrascht.

Hattest du auf deinem bisherigen Weg Selbstzweifel und wie gingst du mit ihnen um?
Immer wieder. Ich glaube, jeder mit einem Start-up hat gute Tage, an denen er/sie findet, die beste Idee des Jahrhunderts zu haben. Dann gibt’s da die anderen Zeiten, in denen man denkt, man müsse aufhören, weil es sich für ein Weilchen nicht mehr vorwärts bewegt.

Ich habe beispielsweise bisher ein einige Male erlebt, dass Leute mit Abwehr auf das Konzept «Nachhaltige Events» reagieren, so nach dem Motto: «Na toll, jetzt darf man nicht einmal mehr Feste feiern ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.» Das sind die Momente, in denen ich spüre, dass das Verständnis für das Wesen von nachhaltiger Events teilweise noch fehlt. Ich nehme niemandem etwas weg – weder das Essen, noch das Trinken und schon gar nicht den Spass. Es geht mir nur darum, dass man während dem ganzen Event (dazu gehört auch der Auf- und Abbau) umweltbewusste Entscheidungen trifft.

«Und man sieht auch, dass der Trend in die Schweiz herüberschwappt»

In solchen Momenten fragte ich mich schon, ob nachhaltige Events wirklich ein Bedürfnis für Schweizer Gäste und Eventmanager darstellen. Dann gibt es wiederum die Tage, an denen ich Personen treffe, die froh sind, dass das Thema Green Events auch in der Schweiz immer etablierter wird. Dieser Zuspruch und die Entwicklungen im Ausland (USA, England und Australien), wo sie teilweise unglaublich viel weiter sind, retten mich über diese Momenten des Zweifels hinweg.

Und man sieht auch, dass der Trend in die Schweiz herüberschwappt: Das Skigebiet Flims-Laax-Falera hat sich nicht nur zum Ziel gesetzt, die Welt etwas gesünder zu hinterlassen, sie organisiert auch das weltbekannte Laax Open so nachhaltig wie möglich. In Bern und Basel ist ab diesem Jahr Mehrweggeschirr an bewilligungspflichtigen Grossveranstaltungen auf öffentlichem Grund Pflicht. Selbst das WEF hat sich dieses Jahr ISO-zertifizieren lassen und darf sich ab sofort ganz offiziell eine nachhaltige Veranstaltung nennen. Wobei jetzt ein guter Zeitpunkt wäre zu erwähnen, dass Greenwashing auch im Eventbusiness ein leidiges Thema ist.

Hattest du bestimmte Personen in deinem Umfeld, die dich unterstützt haben?
Oh ja, absolut! Ich hatte meine Mädels-Clique, die von  Beginn weg hinter meiner Idee stand. Die meine ersten Posts geliked haben. Ich bin immer noch so dankbar, dass ich die ersten fünf, sechs Likes von ihnen erhalten habe. Sie motivierten mich auch immer wieder zum Weitermachen und Durchbeissen, wenn ich mal einen schlechten Tag hatte.

Hast du Tipps für andere, die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren oder selbständig machen wollen? Fallen, die sie vermeiden können?
Ich hatte glücklicherweise noch keine Fallen auf meinem Weg. Mein Tipp Nummer 1: Such dir Rat von Fachpersonen, vor allem, wenn dein Business das Zahnrad in der Mitte ist, was beim Beruf des Eventmanagers der Fall ist. Strom, Hygienestandards und Sicherheitsaspekte haben beispielsweise auch bei Green Events höchste Priorität: Fluchtwege müssen adäquat ausgeleuchtet sein – Stromverbrauch hin oder her –  und Mehrweggeschirr muss hygienisch gereinigt werden. Deshalb ungeniert bei der richtigen Stelle nachfragen, wenn’s mal nicht flüssig läuft.

Hast du spezifische Tipps für Frauen, die ein Business aufbauen wollen?
Absolut: Ellenbogen raus, durchhalten und sich selber voll und ganz vertrauen. Und wenn Euch der weibliche Selbstzweifel doch mal einholt: an Networking-Events gehen, die spezifisch für Frauen in der Berufswelt sind. Dort trifft man gleichgesinnte Kolleginnen, die einen unterstützen.

«Mein Tipp Nummer 1: Such dir Rat von Fachpersonen, vor allem, wenn dein Business das Zahnrad in der Mitte ist. »

Was sind deiner Meinung nach Dinge, die jeder ganz einfach ändern könnte, um etwas nachhaltiger zu werden?
Sicherlich die Reduktion des Abfalls. Es ist wirklich unglaublich einfach. Es braucht einen Samstag in der Ikea, um ein paar Behälter zu kaufen und man muss sich ein wenig in die Thematik einlesen – schon kann es losgehen.

Vor allem für unsere Generation ist es an der Zeit, alles grundsätzlich zu überdenken. Wir sind im absoluten Maximum des Konsums aufgewachsen und bekamen eigentlich nie ein “Nein” zu hören, wenn wir etwas haben wollten, zum Beispiel weil es schlecht für die Umwelt war.

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die jüngere Generation uns schon ein Schritt voraus ist. Sie beschäftigt sich mehr mit Nachhaltigkeit und unternimmt aktiv Dinge, um die Situation zu ändern. Wenn man wirklich was erreichen will, reicht es nicht mehr, nur ein paar bequeme Änderungen vorzunehmen. Das Thema Nachhaltigkeit muss grundsätzlich überdacht werden. Wir müssen einsehen, dass wir Teil einer ganzen Kette sind und wenn wir nichts ändern, es irgendwann mit den Ressourcen einfach vorbei ist.

Jetzt ist es Zeit für dein persönliches Statement – Was möchtest du der Welt noch mit auf den Weg geben?
Dass wir es schaffen werden. Ich sehe uns in zehn Jahren dastehen, uns auf die Schultern klopfen und sagen: “Das haben wir super gemacht!”.

Ich habe in den letzten paar Monaten so viele spannende Leute kennengelernt, die eine grossartige Energie ausstrahlen und vor Ideen nur so sprudeln. Menschen, die etwas verändern wollen – und wenn es “nur” innerhalb ihres kleinen Bereiches ist, wie in meinem Falle in der Eventbranche. Und mein Motto für Veranstaltungen zum Schluss: «Jeder Event ist ein Mikrokosmos. Es steht uns frei, wohin wir unsere Gäste entführen möchten. Warum also nicht gleich in eine Welt, die umweltbewusst, nachhaltig und sozial ist?»

Neugierig geworden? Du möchtest eine Beratung für deinen nächsten Event, dich inspirieren lassen oder ganz einfach mit Katrin in Kontakt treten? Dann besuche ihre Webseite, folge ihr auf Facebook und Instagram oder werde Mitglied in ihrer LinkedIn-Gruppe

Kennst du jemanden, den ich unbedingt interviewen soll? Dann melde dich bei mir. 🙂







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