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Tara Welschinger vom Foifi Zerowaste Ladencafé, Katrin Lüthy  von The Green Event Planner, Nicola vom Hive, Isi von Walterskirchen (Rhizom Festival, Clubbüro Rote Fabrik), Bojan Ravic von MyClimate und Rosanna Grüter, Journalistin und Aktivistin, haben die Grenzen und Möglichkeiten von Nachhaltigkeit in der Event- und Club-Szene ausgelotet. Es wurde schnell klar, dass niemand über Plastik-Strohhalme diskutieren möchte, sondern alle aktiv nach Lösungen suchen und diese auch umsetzen. Ein Rückblick und Kommentar. 

 

Welches sind die grössten Umweltsünden in der Eventbranche?

Wie viele vermuten, sind Strom, Transport, Abfall und Food-Waste die grössten Herausforderungen. Besonders der Transport wurde heftigst diskutiert. Was bei Waren mit lokalen Zulieferern gelöst werden kann, wird bei DJs und Künstlern schon etwas schwieriger. Die Zielgruppe erwartet hier einen gewissen Import, und dieser geschieht häufig per Flugzeug. Lokale Künstler ziehen kommerziell nicht gleich – man muss die ClubgängerInnen also nach und nach zum Umdenken bewegen. Das weist auf einen wichtigen Punkt hin, der über die Eventbranche hinaus gilt: Dort, wo das Überleben eines Unternehmens gefährdet ist, sind Kompromisse wichtig. Die meisten Geschäftsmodelle ändern sich schliesslich nicht über Nacht. Dazu meinte Bojan von MyClimate zurecht: «Do your best – compensate the rest» – natürlich mit dem Ziel, dass schrittweise immer weniger kompensiert werden muss. 

 

«Wenn die letzte Person am Buffet noch aus allen Speisen wählen kann,
dann war’s zu viel» – Katrin Lüthy, The Green Event Planner

Was gibt es für Lösungsansätze für nachhaltigere Events?

Doch es gibt keinen Grund, gleich den Kopf hängen zu lassen. Es existieren pragmatische Lösungen. Beim Catering zum Beispiel muss man als Veranstalter einfach mal mutig sein und weniger Essen bestellen. «Wenn die letzte Person am Buffet noch aus allen Speisen wählen kann, dann war’s zu viel», sagte Katrin Lüthy von the Green Event Planner (zum Interview). Man solle die Gäste auch ein Stück weit daran gewöhnen, dass Überfluss nicht der Standard ist. Zudem solle man Anreize schaffen, damit BesucherInnen von Festivals und Events nicht mit dem Auto anrollen. 

 

«Es braucht mutige Konzepte, man muss den Leuten diese spielerisch beibringen und so dafür sorgen, dass sie ihre Community mitnehmen». – Tara Welschinger, Zero-Waste Pionierin

Nicola vom Hive wiederum konnte viel beim Strom ausrichten, etwa, indem er die Beleuchtung erneuert hat (LED) und beim Abfall dafür sorgt, dass wenigstens alles getrennt wird. Ausserdem schützt ein Kunststoffboden davor, dass die Gläser – welche längst die Plastikbecher abgelöst haben – nicht zu Bruch gehen. Isi von der roten Fabrik fragt für ihr Catering jeweils bei Lebensmittelgeschäften nach Essensspenden und erhält so Nahrungsmittel in einwandfreiem Zustand, die sonst im Müll gelandet wären. 

 

Planet, People, Profit – und Party!

Eine junge Frau sprach in der Publikumsdiskussion schliesslich das aus, was zwischen den PodiumsteilnehmerInnen schon implizit klar wurde: Nachhaltigkeit geht nicht ohne die drei Aspekte «People, Planet, Profit» zu vereinen. Unternehmen müssen bestehen können, die meisten können nicht radikal von heute auf morgen alles auf den Kopf stellen. Daher ist es wichtig, dort anzusetzen, wo man in kurzer Zeit am meisten Impact hat. Gleichzeitig müssen die KonsumentInnen auch darauf getrimmt werden, dass nachhaltige Lösungen erstens auch für sie Vorteile haben und sie zweitens auch Verantwortung tragen und ihren Beitrag leisten müssen. Nur so kann der Planet auf Dauer überleben. 

In der Diskussion wurde dann kurzerhand noch ein viertes «P» eingeworfen: Party! Nachhaltigkeit muss Spass machen,  Verzicht erscheint unsexy, so blöd es klingen mag. Die Menschen müssen das mit Leichtigkeit angehen können. Zero-Waste-Pionierin Tara Welschinger meinte dazu «Es braucht mutige Konzepte, man muss den Leuten diese spielerisch beibringen und so dafür sorgen, dass sie ihre Community mitnehmen». Wir sind Menschen. Genuss ist wichtig. Und nicht jede Person hat die Möglichkeiten oder die Privilegien, alles radikal umzustellen. 

 

Wie man ohne Greenwashing kommuniziert

Gewisse Lösungsansätze, die zwischen den Diskussionsteilnehmern an die Oberfläche kamen, lösten im Publik echte Verblüffung aus. «Waaas, das Hive ist ja richtig nachhaltig! Wieso hat da vorher keiner was gewusst?» Es wurde schnell klar, dass niemand so richtig die eigene Nachhaltigkeit an die grosse Glocke hängen möchte. «Ich mache das nicht aus PR-Gründen», meinte beispielsweise Nicola. Nun, das ist edel. Aber leider nicht gewinnbringend, und zwar für niemanden. 

Nur wenn man seine Lösungen in einem grösseren Kreis ausserhalb der gemütlichen Bubble teilt, kann man andere dazu bringen, ihr Handeln zu überdenken. Da geht es also auch stark um das Wahrnehmen einer Vorbildfunktion. PR ist da letztlich nur eine schöne Nebensache.

Green Marketing ist keine Sünde

Andererseits darf man seine Nachhaltigkeit absolut dafür verwenden, um bei seiner Zielgruppe anzukommen. Solange die eigenen Bemühungen nicht in einem krassen Kontrast zum sonstigen Wirtschaften des Unternehmens stehen (wie das leider so grosse Player wie beispielsweise Nestlé und Nike handhaben) und man seine Aussagen auf nachweisbaren Fakten basiert, muss man sich keine Sorgen um Shitstorms machen.

Es gibt eine grosse Spanne zwischen Schweigen und Greenwashing. Und offen über seine Bemühungen zu sprechen ist weit von Letzterem entfernt.

Ich hoffe jedenfalls von Herzen, dass diese Diskussion nur der Anfang eines immer grösser werdenden Austauschs wird. Danke allen, die diesen Event möglich machten!

P.S: Jetzt noch etwas schamlose Eigenwerbung eingeschoben. Wer keine Zeit für Kommunikation hat, oder denkt, sie/er sei total schlecht darin: Es gibt da draussen Leute, die das professionell und leidenschaftlich für andere machen.  *hust* *räusper*