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Böse Zungen behaupten, dass introvertierte Unternehmer*innen schlecht im Marketing sind. I call BS! Es gibt viele Wege für Introvertierte, erfolgreich ihr Business zu vermarkten, ohne dass sie komplett auslaugen. Das beweisen auch die zahlreichen introvertierten Menschen, die seit Jahren mit ihrem Geschäft erfolgreich sind. In diesem ersten Teil einer hoffentlich längerer Serie definiere ich kurz Introversion, teile meine Erfahrungen und mache mir Gedanken, wie sich das auf die Vermarktung des eigenen Business auswirkt. 

 Erst einmal ein Disclaimer:  

  • Ich verwende in diesem Artikel starke Verallgemeinerungen/Stereotypen und fokussiere auf gewisse Tendenzen, die Introvertierten gemeinsam sind
  • Die Angaben haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und absolute  Wissenschaftlichkeit (Quellenangaben gibt’s unter dem Artikel)
  • Es ist klar: Jeder Mensch unterscheidet sich grundsätzlich vom nächsten, wir alle sind Einhörner auf  einem Spektrum zwischen Intro- und Extraversion

Was bedeutet Introversion – und was nicht?

Extrem plakativ und vereinfacht gesagt, richten introvertierte Geschöpfe ihren Fokus mehr nach innen und schöpfen da auch ihre Energie. Viele von uns sind empfindlich auf äussere Reize und bevorzugen daher eher ein ruhiges Umfeld, sind gerne alleine, da wir so oft am kreativsten und am authentischsten sein können. 

Introvertierte wirken oft ruhig und überlegt, beobachten ihr Umfeld, sind manchmal sehr empfindsam und weniger impulsiv. Ausserdem recherchieren sie gerne und vertiefen sich in spezifische Themen. Eigene Ideen und Gedanken sind etwas eher Intimes und Persönliches, daher halten sie diese aus Furcht vor Kritik oder Hinterfragen eher mal zurück. 

Den ersten Schritt machen die meisten eher ungern, oft aus Angst, andere zu nerven oder zu stören, weil sie selber sehr viel Wert auf Privatsphäre und Unabhängigkeit legen. Unabhängigkeit legen.  

Nein, Das heisst nun nicht, dass Introvertierte allesamt asozial sind – wie es gerne mal behauptet wird. Es sind einfach sehr empfindsame Personen und spüren die Erwartungen anderer oft sehr stark. Das bedarf Pausen! 

Wichtig: Introversion ist nicht gleich soziale Ängste! Unter diesen leiden die unterschiedlichsten Menschen – egal, wie intro- oder extravertiert sie sind. Während Introvertierte durchaus ohne Furcht unter die Menschen gehen – es vielleicht einfach ermüdend finden – leiden Angstpatient*innen stark unter ihren Ängsten.

Von aussen mag das ähnlich aussehen – und natürlich kann es auch in Kombination auftreten. Mir ist jedoch wichtig, dass diese zwei Dinge nicht miteinander vermischt werden, einerseits, weil das stark stigmatisierend, andererseits viel zu vereinfachend ist – die menschliche Psyche ist komplex und ich bin keine Psychologin.

Introversion hat auch nicht zwingend etwas mit Schüchternheit zu tun, introvertierte Menschen können, müssen aber nicht schüchtern sein.

 

Meine persönlichen Erfahrungen als Introvertierte 

In meinen Zwanzigern war ich ständig auf Achse: Ich war Teil einer Tanzgruppe, als DJ unterwegs und sehr selten zuhause. Niemand – allen voran meine Wenigkeit – hätte gedacht, dass ich introvertiert sein könnte!

Doch da gab es immer diese extrem zurückgezogenen Phasen, in dene ich von der Bildfläche verschwand, sehr viel schlafen und in meine Fantasiewelt abtauchen musste. Im Nachhinein kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich häufig sozial ausgebrannt war und enorm viel Zeit brauchte, mich davon zu erholen. Wohl auch, weil ich lange die Bedürfnisse anderer über meine eigenen gestellt hatte. 

Auch heute bin ich im stillen Kämmerchen am kreativsten, denn dadurch werde ich nicht allzu fest durch andere Meinungen beeinflusst oder abgelenkt. Ich mag Überraschungen eher nicht und plane sehr gerne und gut voraus. Überhaupt habe ich oft die strategische, weitsichtige Brille auf.

Neue Inputs von aussen muss ich tendenziell zuerst verdauen, bevor ich adäquat darauf reagieren kann. Spontanität ist also nicht so meins. Natürlich kann ich impulsiv sein, aber das wirkt von aussen wohl eher wie ein wütender Schmetterling. 

Was heisst das für meine Vermarktung? An Networking-Events mit vielen Leuten bin ich meist darauf angewiesen, dass jemand anderes den Anfang macht. Wenn ich mich jedoch erst einmal wohlfühle, bin ich sehr interessiert und führe gerne tiefe, anregende Gespräche.  

Ich kann definitiv nicht täglich auf Hochtouren Interaktionen haben und brauche Momente des Rückzugs. Auch tue ich mich generell schwer, mich selber zu präsentieren: Mein Kopf ist zwar voller Ideen und ich liebe die Kreation, doch weil dies einen tiefen Einblick in mein sensibles Inneres bedeutet, fürchte ich oft das Feedback. Ich gelobe Besserung! 🙂  

 

Vom Jagen zum Gefundenwerden

Was heisst das alles nun im Bezug auf Business und Marketing? Aus meiner Sicht sollten wir unsere Feinheiten, unser feines Gespür für Menschen und die subtile Kreativität aktiv nutzen und gleichzeitig unsere sozialen und energetischen Grenzen respektieren.

Da es uns selber wichtig ist, ungestört und abhängig zu sein, sollten wir meines Erachtens auch beim Vermarkten unseres Angebots darauf achten, unseren Fokus auf das Gefundenwerden zu richten.

Das heisst nicht, dass wir uns jetzt komplett vor Networking-Events oder Verkaufsgesprächen drücken dürfen – Oh nein, meine Lieben – damit müssen wir einen Umgang finden.

Es gibt jedoch so viele Massnahmen, die zu zurückhaltenden Selbständigen passen, weil damit die richtigen Menschen auf uns zukommen:

  • Suchmaschinen-Optimierung
  • Google Ads
  • Blogging
  • Podcasts
  • Videos (Ja, Videos)
  • Gezieltes Community Building 

Kurz: Gezieltes Content Marketing. Auf all diese Dinge – auch auf das Thema Netzwerken und Verkaufen – werde ich in künftigen Beiträgen im Detail eingehen. 

 

Authentisches Marketing & Introversion = Liebe 

Auf mich wirkt das gängige Marketing sehr extravertiert: Fake it till you make it, laut, jeden Tag präsent sein, ständig unterwegs sein und Kontakte knüpfen.

Unsere Ideen nach draussen zu tragen erfordert für uns jedoch eine Extraportion Mut. Da wollen wir nicht auch noch schauspielern. Und wir brauchen Ruhe, um Inputs zu verdauen. Umso wichtiger ist es, eigene Wege zu finden, sich da draussen zu zeigen. In unserem Tempo, in unserem Stil, und auch so, dass Rückmeldungen von aussen in erträglichen Portionen zurückkommen.

Ständig auf allen Hochzeiten zu tanzen geht für uns nicht. Das bedeutet, dass wir uns fokussieren müssen: Darauf, was für uns funktioniert, auf die Nische, die zu uns passt, und die Massnahmen, die uns keine Energie rauben – oder im besten Fall sogar Power zurückgeben.

Was sind eure Erfahrungen als introvertierte Unternehmer*innen? Habe ich den Nerv getroffen? Oder fehlt noch etwas? 

Ihr dürft gespannt sein auf Teil 2: Da dreht sich alles darum, wie man die eigene, introvertierte Superpower für’s Marketing nutzen kann.

 

Quellen: 

https://positivepsychology.com/introversion-extroversion-spectrum/

https://lexikon.stangl.eu/1924/introvertiertheit-introversion/

 

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